Keil ist geil – so befand man in den späten Siebzigerjahren in Automobilkreisen, und so kam auch die kleine Sportwagenschmiede aus Blackpool nicht umhin, einen Designwandel einzuleiten. Von Lotus über Triumph bis hin zu Aston Martin, Bitter CD, Maserati und Alfa Romeo – messerscharfe Bügelfalten im Blechkleid, wohin man blickte. Designer Oliver Winterbottom wurde engagiert, um aus einem TVR-Protopypen namens Zante (aus der Feder von Harris Mann) den TVR für die Zukunft zu gestalten. Heraus kam der Tasmin, der als Coupé und als Cabriolet aufgelegt wurde. Anfangs noch mit Vier- und Sechszylindermotoren, was die Begeisterung der Kundschaft in Grenzen hielt. Mit der Übernahme von TVR durch Peter Wheeler im Jahre 1982 änderte sich das Befeuerungskonzept. Die Vierzylinder fielen weg und es kamen neben den V6 auch die leichten und zuverlässigen V8-Motoren von Rover zum Zuge. Aus dem Tasmin wurde ein echter Sportwagen. Ab 1985 wurde der TVR nur noch nach seinem Hubraum benannt. Die Bezeichnung Tasmin verschwand und es blieb das 280i für die Sechszylinder und das 350i für die Achtzylinder. Vom heutigen Standpunkt gesehen, ist dieser 350i ein Charakterdarsteller alter Schule, der sich von seinen Vorgängern jedoch deutlich abhob. Mit dem 350i konnte TVR erstmal auch Grand Tourismo, denn der V8-Keil ist durchaus langstreckentauglich und bietet Insassen und Gepäck genügend Raum für die grosse Reise. Leder, Holz, elektrische Fensterheber und eine umfangreiche Instrumentierung sorgen für wohlige Sportlichkeit. Der geniale Verdeckmechanismus macht aus dem Coupé in Sekundenschnelle einen Targa oder ein Cabrio. Das üppige Drehmoment, das der V8 bereitstellt, verleiht dem nur knapp 1000 kg leichten 350i Flügel und verführt mit einer bollernden Geräuschkulisse. Das knackige Handschaltgetriebe braucht man nur selten zu bedienen. Dampf aus dem Drehzahlkeller ist in jedem der fünf Gänge ausreichend vorhanden. Da der Alu-V8 weit hinter der Vorderachse positioniert ist, entspricht die Konstruktion einem Front-Mittelmotor-Layout, was ausgeglichene, agile Fahreigenschaften verheisst. Tatsächlich verhält sich der Wagen äusserst neutral und lässt sich behände durch Kreisel und Kurven dirigieren. Dabei helfen auch der kurze Radstand und das höchst fortschrittliche Fahrwerk mit Doppelquerlenker-Aufhängung vorne UND hinten. Zusammen mit dem steifen Stahlrohr-Gitterrahmen und der leichten Kunststoffkarosserie darf man fast schon von Renntechnik reden. Es mag Zufall sein, doch der Tasmin wurde erstmals 1980 an einer Autombilmesse in Belgien gezeigt, während unser roter 350i 1989 extra für den belgischen TVR-Importeur kommissioniert wurde. Gebaut in reiner Handarbeit, wie alle anderen TVR auch. Der Wagen war bis 2015 in Erstbesitz des Belgiers und kam anschliessend über Umwege in eine Schweizer Sammlung. Er wurde 2016 bei uns zugelassen. Da in den Achtzigerjahren keine TVR in die Schweiz eingeführt wurden – Gruss an die damaligen Emissionsvorschriften – handelt es sich bei diesem Fahrzeug um eine absolute Exklusivität. Es heisst, dass lediglich noch ein weiterer 350i mit einem Schweizer Kennzeichen unterwegs ist. Seltener geht nicht! Die Laufleistung von rund 39’000 Km ist garantiert, der 350i ist original, unrestauriert und steht in einem absoluten Topzustand da. Eine umfangreiche Dokumentation begleitet den Wagen, zusammen mit Dutzenden von Belegen DER renommierten Schweizer TVR-Fachwerkstatt. Der Verkauf dieses Quasi-Einzelstücks erfolgt ab Veteranen-MFK und Service.