Wer sich Mitte der Sechzigerjahre nach einer sportlich-handlichen Familienlimousine umsehen durfte, hatte einiges zur Auswahl. Aus Italien boten sich Fiat 1300, Alfa Giulia 1300 und Lancia Fulvia an. Deutschland hatte den NSU Prinz, den Opel Rekord 1100 und natürlich den Käfer im Angebot, während in England der Austin 1100, der MG 1300, ein Wolseley 1300 oder eben dieser Triumph 1300 um Käufer buhlten. Die gehobene Ausstattung des Triumph 1300 überzeugte mit reichlich Teppichverkleidung, Nussholzfurnier, einer umfangreichen, chromumfassten Instrumentensammlung, einer verstellbaren Lenksäule, grosszügigen Ablageflächen, versenkbaren Fensterkurbeln und drei Aschenbechern für Fahrer, Beifahrer(in) und Fondpassagiere. Für Vortrieb sorgte das bewährte 1300er Aggregat aus dem BMC-Regal. 61 PS in Kombination mit einem clever abgestimmten Vierganggetriebe und einem Leergewicht von lediglich 815 kg lassen den Triumph agil und behände bewegen. Der Motor, der auch im Spitfire für Laune sorgte – dort mit Doppelvergaseranlage – erfreut den Fahrer mit einem ungeahnt rassigen Ton, der suggeriert, dass man schneller unterwegs ist, als die Tachonadel meldet. Das Fahrwerk überrascht vorne mit doppelten Dreiecksquerlenkern und Scheibenbremsen, die kraftvoll zupacken, aber gut dosierbar sind. Auch die Hinterräder waren einzeln aufgehängt. Dort kamen Schräglenker und ebenfalls Schraubenfedern zum Einsatz. Das Raumgefühl im Innern ist beachtlich, die Linie aus Michelottis Hand wohl proportioniert und erfreulich italienisch. Kein Vergleich zu den teils skurrilen Formen anderer englischer Modelle. Kurzum, der Triumph 1300 ist ein überraschend spritziges Auto, mit dem sich auch heute noch problemlos im Alltag mitschwimmen lässt. Das Exemplar, das wir hier anbieten dürfen, ist kein x-beliebiges Fahrzeug, sondern eine Schweizer Erstauslieferung. Verkauft hat ihn die Genfer Triumph-Vertretung Blanc & Paiches SA an einen Herrn mit Jahrgang 1902. Der stand damals, 1966, kurz vor der Pensionierung. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er in Adliswil bei Zürich gewohnt. Die Vermutung liegt nahe, dass er den wedgwood-blauen Engländer extra auf seinen Ruhestand hin bestellt hat, denn die Erstzulassung erfolgte am 18. Oktober 1966 im Tessin. Dort sollte das Auto die kommenden fünfundvierzig Jahre verbleiben. Gefahren wurde es leider kaum noch, den die abgelesenen 20’900 Kilometer sind nach Ansicht von Markenspezialisten und Fachbetrieben zweifelsohne die ersten. Der Wagen befindet sich daher rundum in einem unangerührten Sammlerzustand, lediglich überlackiert wurde er einst, doch das muss viele Jahre her sein. Im Innern sind Gebrauchspuren nur mit der Lupe zu finden. Selbstverständlich kam die Zeitkapsel nicht ohne das Zutun verschiedener Fachwerkstätten wieder auf die Strasse. Es liegen Belege von rund CHF 30’000.– bei, die umfangreiche mechanische Arbeiten dokumentieren. Darunter ist eine komplette Motor-, Vergaser- und Getrieberevision besonders hervorzuheben. Dabei wurde auch gleich der Zylinderkopf auf Bleifrei umgerüstet. Wir finden, dass der Triumph 1300 ein erfrischende Alternative zu Giulia und Fulvia ist und angesichts von Zustand, Geschichte und Fahreindruck sogar einiges mehr zu bieten hat. Bei Verkauf wird natürlich die Veteranenzulassung aus dem Jahre 2021 erneuert.